Signaletik (Beschilderung) für non-binäre Menschen

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Eine gute Beschilderung (Signaletik) von Räumlichkeiten für non-binäre Menschen kann auch zur Sicherheit und Akzeptanz beitragen – nebst den Räumen selbst. Für gute Lösungen ist zusätzlich zu allgemeinen Best Practices der Signaletik vor allem auch auf Verständlichkeit und Akzeptanz bei non-binären und anderen Benutzenden zu achten. Bestehende Lösungen (Piktogramme, Text, abstrakte Symbole etc.) schneiden unterschiedlich gut ab und haben je Vor- und Nachteile.

Da es nicht eine perfekte Lösung für die Beschriftung von Räumen für non-binäre Menschen gibt, werden hier verschiedene bestehende Optionen diskutiert. Es geht dabei nicht um die Räume selbst, sondern nur um deren Beschriftung. Im Moment werden hier nur WC-Beschriftungen besprochen, aber andere Räumlichkeiten können meist analog umgesetzt werden.

Inhalt:

Architektur und Signaletik

In diesem Text geht es nur um die Beschilderung von Räumen (Signaletik) und nicht um die Räume selbst (Architektur und Betrieb). So geht es hier nicht um die Frage, ob, wann und wie es separate Räume für non-binäre Menschen geben sollte, sondern nur, wie diese zu bezeichnen sind. Die Qualität der Signaletik hängt aber auch mit der Gestaltung der Räume zusammen. Das ist ein Gegenspiel.

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Warum inklusive Signaletik für non-binäre Personen?

Das Bieten von WCs und anderen Anlagen für non-binäre Personen hat meist auch etwas mit Sicherheit zu tun und ist kein «Luxusproblem». Auch wenn es hier nicht um die Räume an sich geht, kann die Signaletik auch etwas zu dieser Sicherheit beitragen. Denn einerseits nützen existierende WCs nichts, wenn sie nicht gefunden werden. Andererseits ist ihre gute Sichtbarkeit auch ein starkes Signal zur Akzeptanz von non-binären Menschen.

Was macht gute Lösungen aus?

Für die Qualität der Signaletik braucht es gute Verständlichkeit und Akzeptanz bei Benutzenden, eine Berücksichtigung von der bestehenden Situation und von anderen Anforderungen sowie eine Umsetzung nach Best Practices der Signaletik.

Gute Verständlichkeit und Akzeptanz bei Benutzenden

Wenn wir Infrastruktur für non-binäre Personen bieten wollen, dann müssen wir sie so anschreiben, dass non-binäre Personen sich angesprochen fühlen und andere Menschen wissen, dass dies (allenfalls) nicht für sie gedacht ist.

In vielen Fällen sollte die Bedeutung am besten «alle Geschlechter» sein. Denn es gibt auch andere Gruppen, die dieses Angebot gerne in Anspruch nehmen werden, obwohl sie sich nicht als non-binär identifizieren. Das ist einer der Gründe, warum auch von zu spezifischen Beschriftungen abzuraten ist (z.B. «WC – non-binäre Personen»). Wenn trans Frauen und Männer in ihrer Transition sind, kann es Momente geben, wo sie nicht eindeutig gelesen werden und sich dann auf diesem WC wohler fühlen werden. Das Gleiche kann auch gelten für intergeschlechtliche und gendernonkonforme Personen. Weitere Anwendungsfälle für solche Räume wie Familien, Betreuungspersonen etc. kommen noch dazu und werden an dieser Stelle nicht weiter vertieft.

Die Signaletik muss also klar machen, für wen ein bestimmter Raum ist und für wen nicht, sowie auch wo die jeweils anderen Menschen «ihre Räume» finden können. Wie sich diese Verständlichkeit und Akzeptanz erreichen lässt, wird in den Beispielen unten genauer diskutiert.

Bestehende Situation und andere Anforderungen

Wenn neue Infrastruktur für non-binäre Personen zu bestehenden Anlagen dazu kommt (wo es auch bestehende Signaletik gibt), ist es wichtig, dass diese neuen Beschriftungen zu den bestehenden passen – wenn nicht sowieso alles neu überarbeitet wird.

Weiter kann es auch zusätzliche Anforderungen an Räume geben (Rollstuhlgängigkeit, Wickeltische etc.), die sich mit genderneutralen WCs kombiniert lösen lassen. Dafür ist auch eine entsprechend klare Signaletik nötig, dass z.B. non-binäre Menschen wissen, dass diese Räume explizit auch für sie gedacht sind.

Umsetzung nach Best Practices der Signaletik

Neben den oben genannten Anforderungen gibt es weitere generelle Regeln für gute Signaletik wie Klarheit, Konsistenz, Lesbarkeit, Hierarchie der Informationen etc. Bei Text-Lösungen ist auch auf allfällige Sprachbarrieren zu achten. Solche formalen Herausforderungen sollten zusammen mit Signaletik-Profis angeschaut werden. Aber von den oben beschriebenen inhaltlichen Anforderungen aus der Perspektive der Geschlechtervielfalt haben in der Regel Fachpersonen aus den Bereichen Signaletik und Architektur weniger Ahnung. Dazu sollten sie dann entsprechende Unterstützung hinzuziehen. Wir bieten solche Beratungen an (Mitteilung).

Verschiedene Varianten von WC-Beschriftungen

Es gibt verschiedene Lösungen für das Problem, WCs für non-binäre Menschen zu kennzeichnen und diese haben alle ihre Vor- und Nachteile. Hier werden nur Beispiele zu WCs gezeigt, aber Beschriftungen zu Garderoben, Duschen etc. können meist analog umgesetzt werden. Piktogramme für solch andere Räumlichkeiten sind unten zu finden.

Bei den Beispielen hier ist wichtig zu bedenken, dass sie nur einen kleinen Ausschnitt aller möglichen Situationen und Kombinationen abdecken. Hier wird immer davon ausgegangen, dass es bereits bestehende WCs für die beiden binären Geschlechter gibt (erste beiden Türen) und jetzt noch eine dritte Option (Tür) dazu kommt.

Ausstattung des Raumes visualisieren

Die neutralste Lösung ist, dass wir visualisieren, was es in einem Raum für «Infrastruktur» gibt (Sitzklo, Pissoir etc.). Zu dieser Lösung gibt es keine bestehenden binären Varianten. Sie kann grundsätzlich mit allen anderen kombiniert werden.

Diese Lösung hat den Vorteil, dass wir gar nicht Bezug auf Geschlecht nehmen müssen. Die Piktogramme sind sehr klar, neutral und international verständlich. Der Nachteil dabei ist aber, dass es ungewohnt ist und viele Leute nicht gleich verstehen werden, auf welche Geschlechter sich das nun bezieht. Wahrscheinlich werden viele es nicht zwingend lesen als «für alle Geschlechter» und so ist es besser, dies zusätzlich noch anzuschreiben.

Abstrakte Symbole

An einigen Stellen sind WCs beschriftet mit den Symbolen für Mars (männlich, erste Türe) und Venus (weiblich, zweite Türe). Hier wäre eine mögliche Ergänzung auf der dritten Türe das «Trans Symbol», welches von den anderen beiden abgeleitet wurde (Artikel dazu bei PinkNews, 2025).

Ein Vorteil solcher Symbole ist deren Sprachunabhängigkeit. Auf der anderen Seite muss aber berücksichtigt werden, dass die Symbole für Venus und Mars für einige Menschen nicht eindeutig verständlich sind. Welches ist was, werden sie sich vielleicht fragen. Das Trans-Symbol scheint im Gegensatz dazu fast besser abzuschneiden in Bezug auf intuitive Verständlichkeit.

Es gibt spezifische Symbole für Non-Binarität. Das Symbol im Bild neben der rechten Türe hat die Bedeutung «non-binär». Ein Vorteil davon wäre, dass es ganz spezifisch ist. Aber dies hat dann auch verschiedene Nachteile. Erstens kennen das Symbol nicht viele Menschen. Zweitens wäre es unglücklich spezifisch, denn es sind nicht nur die non-binären Menschen aus der LGBTQIA+ Community, die allenfalls Bedarf nach einem weiteren WC haben (wie oben schon erläutert).

Das Symbol auf der dritten Türe wurde ursprünglich für das Thema Trans entwickelt (PinkNews, 2025). Aber diese Bedeutung ist auch nicht so stark fixiert, dass die anderen LGBTQIA+ Personen sich gar nicht damit identifizieren könnten. Die Tatsache, dass die Bedeutung dieses Symboles nicht ganz präzise erfasst werden wird, könnte hier also ein Vorteil sein. Aber Zielgruppen ausserhalb von LGBTQIA+ müssten noch zusätzlich adressiert werden. Mehr zu Symbolen

Text Beschilderungen

An vielen Orten sind WCs mit Text beschriftet. Die dritte Option könnte dann sein: «WC – alle Geschlechter» oder kurz «WC für alle».

Vorteil dieser Lösung ist, dass sie sehr klar ist – das Verstehen der Sprache vorausgesetzt. Eigentlich könnte der Text auch nur «WC» oder «Toilette» heissen, dies führt dann aber wiederum zu Unsicherheiten. Es ist eher davon abzuraten, Begriffe wie «non-binär» oder «Trans» zu verwenden – dann eher «geschlechtsneutral». In den USA wird hier oft das «gender neutral» verwendet.

Piktogramme Menschlein

Eine der häufigsten Arten «Damen und Herren WCs» anzuschreiben, ist mit Piktogrammen von Menschlein, die Hose oder Kleid (Superheld*innen-Cape, wie gewisse anmerken) tragen. Dies ist so weit verbreitet, dass es fast als Synonym für die Geschlechter-Binarität an sich gesehen werden könnte. Eine direkte Ergänzung für die dritte Türe wäre ein Menschlein mit gendernonkonform gelesener Kleidung. Diese Lösung ist aber umstritten.

Die binäre Variante der Piktogramme ist schon problematisch, denn sie vermischt die Ebenen von Geschlecht «Ausdruck und Identität» (siehe Dimensionen von Geschlecht beim Geschlechter-Radar). Auch wenn in der Schweiz Männer selten Kleider oder Röcke tragen (im Gegensatz zu anderen Ländern), so trägt doch ein grosser Anteil von Frauen in der Schweiz oft Hosen. Deshalb hat schon die binäre Variante der Beschriftung mit der Realität nicht so viel zu tun.

Weil diese Kleid-Hose-Symbolik so verbreitet ist, kann es naheliegend sein, für non-binäre Menschen eine gendernonkonforme Visualisierung zu wählen, die ein Menschlein abbildet mit einem halben Kleid und einer halben Hose. Das ist dann aber eben in gleicher Weise problematisch (Verwechslung der Ebenen Ausdruck und Identität) und führt bei non-binären Menschen allenfalls noch zusätzlich dazu, dass sie ihre Identität auf eine «Oberflächlichkeit» reduziert sehen. Viele non-binäre Menschen haben auch keinen androgynen Geschlechtsausdruck, so wie auch heutzutage viele Frauen Hosen tragen.

Da an vielen Orten die binären Varianten der Piktogramme bereits eingesetzt werden, aber die dritte Version klar problematisch ist, sollten hier stattdessen für die dritte Türe andere Lösungen dazu kombiniert werden.

Witzig gemeinte Beschriftungen

An vielen Orten werden für geschlechtsneutrale WCs «witzige» Beschriftungen gewählt. Das wird dann oft mit Piktogrammen von Meerjungfrauen, Robotern, Aliens etc. gemacht oder mit Texten wie «Uns doch egal, Hauptsache Hände waschen». Auch wenn Humor ein gutes Mittel sein könnte, ein aufgeladenes Thema zu entschärfen, ist «witzig» bekanntlich sehr subjektiv.

Wenn wir die Witze schätzen, können diese Varianten sehr unterhaltsam sein. Das Eis ist aber sehr dünn hier. Wenn der Eindruck entstehen kann, dass non-binäres Geschlecht lächerlich gemacht wird, dann wird es ganz schnell problematisch. «Non-Binarität ist kein Witz», würden einige dazu vielleicht sagen. Da wir immer davon ausgehen müssen, dass gewisse betroffene Menschen etwas so empfinden können, ist eher von diesen Varianten abzuraten. Um dies besser zu verstehen, kann es auch hilfreich sein, sich mit den Lebensrealitäten non-binärer Menschen näher zu befassen.

Die Verlockung ist aber gross, solch humoristische Umsetzungen zu machen, wie z.B. die WC Aufkleber im Shop des Museums für Kommunikation in Bern. Aber wie gesagt, sind diese mit Vorsicht zu verschenken oder ver-kleben.

Zusätzliche Informationen zu Räumen

Nebst der Beschriftung der Räume können weitere Beschilderungen hilfreich sein. Es hat sich bewährt, bei geschlechtsneutralen Anlagen auch noch mehr Hintergrundinformationen dazu anzubringen, warum sie angeboten werden. Das kann helfen, die Akzeptanz zu steigern und eine reibungslosere Benutzung zu ermöglichen. Weiter können auch Safer Space Regeln helfen, zusammen mit Informationen dazu, wer bei Problemen oder Fragen zu kontaktieren ist. Im Neubad in Luzern wurden die WC-Schilder mit einem erklärenden Text ergänzt, weil es hier generell neutrale Toiletten gibt. In der Gessnerallee in Zürich ist in den WC-Räumen ein «awareness code of conduct» angebracht worden mit weiteren Erklärungen.

WC, Neubad LU || Code of Conduct, Gessnerallee ZH (Fotos: Evianne Hübscher)

Es ist auch sehr hilfreich, wenn ausserhalb des Gebäudes (z.B. auf der Website von einem Schwimmbad oder Fitnesscenter) Informationen zu geschlechtsneutralen Anlagen vorhanden sind. So können sich non-binäre Personen in Ruhe auf einen Besuch vorbereiten.

Beispiele von Informationen auf Websites von Organisationen:

Weitere Arten von Räumlichkeiten

Nebst WCs können auch vor anderen Räumen Piktogramme zur Ausstattung – allenfalls mit dem Hinweis «alle Geschlechter» – angebracht werden. Im Bild oben: Duschen, Garderoben und Wickeltische.

Im Bild unten: Visualisierungen für rollstuhlgängige WCs (mit Piktogramm von The Accessible Icon Project) und WCs mit Steh- und Sitzklos in den gleichen Räumlichkeiten. Diese können auch mit anderen Visualisierungen kombiniert werden.

Alle diese Piktogramme sind in den unten verlinkten Schildern enthalten. Mehr Piktogramme sind in den weiteren Quellen unten zu finden.

Download Schilder mit Bezug zur Ausstattung

Für verschiedene Räumlichkeiten haben wir entsprechende Beschriftungen gemacht (deutsch und englisch): Pissior (Stehklo), Sitzklo, Steh- und Sitzklo, rollstuhlgängiges WC, Garderobe usw.

Download: PDF mit Schildern

Diese Blätter können frei für provisorische Lösungen verwendet werden. Wir verwenden diese zum Beispiel, wenn wir für einen Anlass einzelne oder alle bestehenden binären WCs kurzfristig als neutrale Räume beschriften möchten.

Für fixe Beschriftungen sollte mit professionellen Grafikerinnen und Schriftenmalerinnen zusammengearbeitet werden und für den Aspekt der Geschlechter-Inklusion bieten wir entsprechende Beratungen an (Mitteilung).

Weitere Quellen